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Rendite auf Bitcoin

Derselbe Pool, derselbe Monat: 5 % im Schnitt, 7 % im Wochendurchschnitt und über 18 % in der Spitze. Jede dieser Zahlen wäre als Werbeaussage belegbar gewesen.

28. August 2026

Nach einem Vortrag auf einem Bitcoin-Stammtisch kam eine Frage, die ich eigentlich schon viel eher erwartet hatte. Ein Unternehmer hat sich Bitcoin mit dem Ziel gekauft, sie über regelmäßige Nachkäufe (DCA = Dollar Cost Averaging) zu vermehren. Er fragte:

Meine BTC liegen seit sieben Jahren auf der Wallet und generieren keine Zinsen oder Ähnliches. Gibt es eine Möglichkeit, wie BTC während der Zeit zumindest etwas Rendite erwirtschaften können?

Die kurze Antwort lautet: Ja, das ist möglich, indem du deine BTC auf eine andere Blockchain überträgst und dort in einen sogenannten Liquidity Pool einbringst, dessen Token beide 1:1 an Bitcoin gekoppelt sind. Eine dezentrale Exchange (DEX) wie Orca bietet auf Solana zum Beispiel einen Pool aus WBTC und cbBTC an, auf dem sich aktuell eine APR von durchschnittlich rund 5 % erwirtschaften lässt. Diese 5 % stammen dabei aus den Handelsgebühren, die andere Nutzer zahlen, wenn sie WBTC in cbBTC oder umgekehrt tauschen.

Die ehrliche Antwort braucht länger. Und sie besteht zur Hälfte aus dem, was es dich kostet, diese Rendite zu bekommen.

Wrapped Bitcoin: Aus Eigentum wird eine Forderung

Bitcoin zahlt keine Zinsen. Das Protokoll ist stur: Es kennt Kontostände und Transaktionen. Sonst nichts. Wer Rendite auf Bitcoin will, muss das Netzwerk verlassen.

Das ist kein technisches Detail. Das ist der Kern der Sache. Um Bitcoin auf anderen Chains, wie z. B. Solana, nutzbar zu machen, müssen wir ihn erst dort abbilden. Die echten BTC wandern in den Tresor eines Verwahrers. Dafür bekommt man einen „wrapped” Token – zum Beispiel cbBTC von Coinbase oder WBTC, den älteren und weiter verbreiteten Standard.

Wichtig zu verstehen: Dieser Token ist im Markt exakt einen Bitcoin wert. Ein WBTC tauschst du gegen USDC für denselben Betrag wie einen echten BTC.

1 WBTC = 1 BTC = 1 cbBTC.

Am Kurs, an der Liquidität und an der Handelbarkeit merkst du keinen Unterschied. Du kannst damit alles machen, was du mit Bitcoin machen kannst – außer ihn auf deine eigene Hardware-Wallet zu ziehen.

Das bedeutet: Aus hartem Eigentum wird eine Forderung.

Dazu ein Beispiel:

Stell dir vor, du lieferst 100 Paletten Ware an einen zuverlässigen Großkunden. Im Gegenzug bekommst du dafür eine Forderung. Solange der Kunde solide wirtschaftet, ist diese Forderung in deiner Buchhaltung genauso viel wert wie die Ware – du kannst sie factoren, beleihen und damit planen. Niemand fragt jeden Tag nach, ob die Paletten noch im Lager stehen.

Erst wenn der Kunde pleitegeht, merkst du den Unterschied: In dem Fall hast du eine Forderung gegen einen insolventen Schuldner. Und in der Insolvenzmasse bist du einer von vielen Gläubigern.

Genauso funktioniert ein WBTC- oder cbBTC-Token. Solange die Verwahrer solvent sind, klebt der Token am Bitcoin-Kurs. Probleme entstehen erst, wenn ein Verwahrer in finanzielle Schieflage kommt – wie 2022 bei der Börse FTX, als Kunden statt ihrer BTC nur noch eine Insolvenzforderung in der Hand hielten.

Wer das Prinzip „not your keys, not your coins” ernst meint, muss hier einen ehrlichen Schnitt machen: Diese Rendite gibt es ausschließlich gegen den Verzicht auf deine Souveränität. Denn du mietest dich in die Bilanz eines Dritten ein.

Impermanent Loss – und warum er hier nicht greift

Wer „Liquidity Pool” hört, denkt an das klassische Beispiel: Bitcoin gegen einen Stablecoin wie USDC. Und hier gibt es ein Problem, das jeden Bitcoiner misstrauisch macht: den sogenannten Impermanent Loss.

Was ist das?

Stell dir vor, du legst Bitcoin und USDC in einen Pool. Wenn der Bitcoin im Preis stark steigt, wird ein Teil deiner Bitcoin gegen USDC getauscht, um das Verhältnis 50/50 zu halten. Am Ende hast du zwar mehr Dollarwert, aber weniger Bitcoin als wenn du sie einfach nur gehalten hättest. Für jemanden, dessen Ziel es ist, die Menge an Bitcoin zu mehren, ist das ein Ausschlusskriterium.

Warum ist das bei einem cbBTC/WBTC-Pool anders?

Der Pool, den wir uns ansehen, ist anders gebaut. Auf beiden Seiten steht Bitcoin: cbBTC gegen WBTC. Beide Token sind 1:1 an Bitcoin gekoppelt.

Das bedeutet: Wenn Bitcoin steigt oder fällt, bewegen sich beide Seiten im gleichen Verhältnis. Es gibt keinen Grund für den Pool, die Zusammensetzung umzuschichten.

Die Folge: Du bleibst zu 100 % in Bitcoin investiert. Steigt Bitcoin um 10 %, steigt auch der Preis deines Investments um 10 %. Fällt Bitcoin um 5 %, fällt dein Investment um 5 %. Der Mechanismus, der bei klassischen Pools dafür sorgt, dass du bei steigenden Kursen „ausgebremst” wirst, greift hier nicht. Zumindest nicht, solange cbBTC und WBTC gedeckt sind.

Das klingt nach einem Freifahrtschein. Ist es aber nicht. Das Risiko ist nur ein anderes.

Was eine APR-Angabe wirklich aussagt

Der Chart stammt aus dem Liquidity Bot von FORGE — der Software, die ich im Rahmen der Recherche zu »Der EXPLOIT« gebaut und anschließend als forge-pub veröffentlicht habe. Self-hosted, eigene Schlüssel, eigene Maschine.

APR-Verlauf des cbBTC/WBTC-Pools vom 29.07. bis 28.08.2026, Durchschnitt 5 Prozent bei Ausschlägen bis über 18 Prozent
cbBTC/WBTC — 29.07. bis 28.08.2026. Ansicht aus dem Liquidity Bot. Durchschnitt 5 %, Spanne von etwa 0,5 % bis 18,5 %.

Aus diesem einen Bild lassen sich drei verschiedene Renditeaussagen ableiten. Alle drei wären belegbar:

  • 5 % — der Monatsdurchschnitt
  • 7 % — das Wochenmittel
  • 18 % — der Höchststand am 21. August

Ein Pool, ein Monat und drei Zahlen. Wer eine davon isoliert zeigt, hat nicht gelogen und trotzdem ein falsches Bild erzeugt.

Der Grund dafür steckt in der Größe selbst. Die APR (Annual Percentage Rate) eines Pools ist keine garantierte Verzinsung, sondern ein Verhältnis: eingenommene Handelsgebühren gemessen am hinterlegten Kapital, hochgerechnet aufs Jahr. Sie steigt, wenn viel gehandelt wird, und fällt, wenn wenig gehandelt wird. Der Monatsschnitt von 5 % ist das Ergebnis weniger volatiler Ausschläge – nicht der Normalzustand.

Wofür ein Liquidity Pool dich wirklich bezahlt

Wenn die beiden Pool-Seiten nicht auseinanderdriften können, wofür gibt es dann im Schnitt 5 %?

Die Antwort ist simpel: Du wirst für das Bereitstellen von Liquidität bezahlt, damit andere Marktteilnehmer diese beiden Token gegeneinander tauschen können. Gibt es kein Handelsvolumen zwischen WBTC und cbBTC, gibt es auch keine Rendite.

Doch warum tauscht der Markt überhaupt zwei Token, die exakt denselben Basiswert abbilden?

Es gibt verschiedene Handelsplätze und unterschiedliche Protokolle. Einige benötigen WBTC und andere cbBTC. Will man zwischen verschiedenen Protokollen wechseln, kann man seine Token über den Pool cbBTC/WBTC tauschen.

Und warum trägt der Liquiditätsgeber dabei ein asymmetrisches Risiko?

Weil cbBTC und WBTC keine echten Bitcoins sind, sondern zwei unterschiedliche Schuldscheine gegen zwei verschiedene Verwahrer mit unterschiedlichen Ausfallwegen. Solange beide Institutionen sauber gedeckt sind, notieren die Token bei 1:1. Gerät jedoch einer der Verwahrer in Schieflage, löst sich diese Bindung auf. Die Arbitrageure laden den entwerteten Token im Pool ab – und wer Liquidität bereitstellt, hält am Ende überproportional viel von der entwerteten Seite.

Der ehrliche Satz lautet daher: Du wirst mechanisch über Handelsgebühren vergütet, aber du wirst ökonomisch dafür bezahlt, dass zwei externe Verwahrer gleichzeitig solvent bleiben.

Ob dieses Risiko 5 % wert ist, ist eine unternehmerische Einschätzung, keine mathematische Rechnung. Sie hängt davon ab, was man den beiden Verwahrern zutraut.

Die Betriebsrisiken dieser Maschine

Wie bei jedem Investment in echte Infrastruktur gibt es Reibungsverluste und Risiken, die in keiner Hochglanzbroschüre stehen:

  • Smart-Contract-Risiko: Der Code, der die Position hält, kann Fehler haben. Audits senken die Wahrscheinlichkeit, sie beseitigen sie nicht.
  • Chain-Risiko: Die Rendite entsteht auf einer anderen Blockchain als Bitcoin. Deren Ausfälle betreffen dann auch dieses Kapital.
  • Transaktionskosten: Bridging, Swaps, Ein- und Ausstieg kosten Gebühren. Bei kleinen Beträgen frisst das den Ertrag komplett auf.

Warum ich dir das erzähle (und warum du es trotzdem nicht tun musst)

Für die meisten konsequenten Selbstverwahrer lohnt sich das nicht. Wer aus Überzeugung keine Sekunde ohne eigene Schlüssel sein will, hat hier nichts verloren. Diese Haltung ist vollständig kohärent. Sie ist mit dieser Rendite nur nicht vereinbar.

Aber warum erzähle ich dir das alles, wenn ich dir gleichzeitig rate, die Finger davon zu lassen, wenn du absolute Souveränität forderst?

Weil es dir die Augen öffnet.

Im traditionellen Finanzsystem werden Risiken und Gebühren so tief in komplexe Produkte verpackt, dass man sie als Laie kaum noch erkennt. Die Rendite wird versprochen, das Gegenparteirisiko versteckt.

Hier, in der dezentralen Finanzwelt, kannst du jeden Schritt nachvollziehen. Du siehst exakt, wofür du bezahlt wirst: für das Ausfallrisiko von Verwahrern. Du siehst exakt, wie die „Maschine” tickt.

Setz dich mit der Mechanik dieser Systeme auseinander. Nicht, um morgen dein Vermögen umzuschichten. Sondern um zu verstehen, wie Kapital bewertet wird, wenn man den Staat und die Banken als Intermediäre herausrechnet. Um zu begreifen, was Souveränität wirklich kostet und wie ein paralleles Finanzsystem funktioniert, das einfach weiterläuft, während sich die Welt da draußen dreht.

Diese Recherche stammt aus der Arbeit an „Der EXPLOIT" – einem Roman über einen Mann, der genau diese Systeme und ihre Mechanik benutzt, um wieder Zugriff auf sein eigenes Vermögen zu bekommen.

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